Aktuelles

EPE startklar für die Zukunft

Berufsfachschule für Altenpflege bietet ab 2020 die generalistische Pflegeausbildung an

Im Januar 2020 tritt das neue Pflegeberufegesetz in Kraft. Damit ändern sich die  Rahmenbedingungen in der Pflegeausbildung. Die neue generalistische Ausbildung soll die drei Berufsbereiche „Altenpflege“, „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ sowie „Gesundheits- und Krankheitspflege“ zu einem neuen Berufsbild vereinen. Ziel ist es, den Schülerinnen und
Schülern eine attraktivere und breitere Basisqualifikation in der Pflege zu vermitteln.

Für die Pflegeschulen bedeuten die Veränderungen neue Herausforderungen: Die Schüler/innen werden nach einem gemeinsamen Lehrplan unterrichtet. Im dritten Schuljahr besteht die
Möglichkeit, sich auf die Altenpflege zu spezialisieren. Es kann dann der Berufsabschluss „Altenpflegefachkraft“ erworben werden. Die Schüler*innen können aber auch die generalistische Ausbildung zur/zum „Pflegefachfrau/Pflegefachmann“ weiterführen. Beide Möglichkeiten wird die EPE anbieten.

Die Berufsfachschule für Altenpflege der EPE in Bad Mergentheim bietet seit 1989 die Ausbildung zum/zur „Altenpfleger/in“ und zum/zur „Altenpflegehelfer/in“ an. Erfahrung und akademisch qualifizierte Lehrkräfte der Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik, Psychologie, Biologie und Gerontologie garantieren eine hohe Ausbildungsqualität. „Wir sind gut gerüstet für den Start der neuen Ausbildung!“, so Abteilungsleiterin Martina Schmalbach. Die Berufliche Schule für Ernährung.Pflege.Erziehung stellt damit in Kooperation mit ihren zahlreichen Partnern die fachgerechte Altenpflege im Main-Tauber-Kreis sicher. Die räumlichen Rahmenbedingungen dafür wurden 2012-2014 mit dem Neubau des Fachraumzentrums bereits gelegt.

Dass die neue Ausbildung auch mit Blick auf die Unterschiedlichkeit der Schüler/innen (Vorbildung, Alter, Nationalität, Zielsetzung) spannend wird, steht für alle Beteiligten außer Frage. „Heterogenität ist für unsere Lehrkräfte, die auch in anderen Schularten unterrichten, Tagesgeschäft. Gute Kontakte zwischen Schule und den Einrichtungen der praktischen Ausbildung sind unsere Stärke.“, führt Schmalbach weiter aus.

Aktuelle arbeitet das Sozial- und Kultusministerium an der Umsetzung des neuen Pflegeberufegesetzes in Baden-Württemberg. „Wir hoffen auf schnelle Ergebnisse, die uns dann auch erlauben, konkrete Informationen an die Ausbildungsbetriebe und Kooperationspartner zu geben!“, sagt die Abteilungsleiterin. Zusammen mit Vertretern der Evangelischen Heimstiftung, des Saarländischen Schwesternverbandes, der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist Bad Mergentheim wurde bereits im September in einem Ausbildungszirkel über die neuen Anforderungen beraten (FN-Bericht). Hierzu ist auch das Beratungsteam „Altenpflegeausbildung“ des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben durch Andreas Boecker in ständigem Kontakt mit den Akteuren. Den Teilnehmern des Ausbildungszirkels ist klar, dass Handlungsbedarf auf allen Ebenen besteht, der Bund, das Land, aber auch der Landkreis sind hier in der Verantwortung. „Damit dieses gelingen kann, müssen wir noch mehr Kräfte in die Ausbildung von Pflegeschülerinnen und Pflegeschülern investieren!“, so Martina Schmalbach.

Eine Konkurrenzsituation mit anderen Anbietern sieht die Abteilungsleiterin nicht. Es werden dringend neue Pflegefachkräfte in der Region und im Kreis gebraucht. Wenn Pflegeschulen, Träger der praktischen Ausbildung und der Landkreis an einem Strang ziehen, kann die neue Ausbildung ein Erfolg werden. Eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels in der Pflege kann sich der Main-Tauber-Kreis, genau wie andere Kreise, nicht leisten. „Wir wollen dafür sorgen, dass Menschen aller Altersklassen in unserer Heimat auch in Zukunft fachgerecht und mit Herz versorgt werden können.“, gibt Schmalbach abschließend zu bedenken.

Lizenz zum Aktivieren

Zwei Lehrkräfte der Berufsfachschule für Altenpflege erhalten die SimA©-Trainerlizenz

Basteln, Tanzen im Sitzen, Igelball-Massagen – Einrichtungen der Altenpflege bieten
vielfältige Tätigkeiten an, um Bewohner zu „aktivieren“. Schon jahrelang werden
AltenpflegerInnen im Rahmen der dreijährigen Ausbildung an der EPE in
Bad Mergentheim auch im Bereich der Aktivierung und Betreuung qualifiziert. Doch
was hilft wirklich bei der Aufrechterhaltung von Selbstständigkeit im höheren Alter?
Welche Interventionen zeigen auch bei Menschen mit Demenz Erfolge?

In einer ab 1991 durchgeführten Längsschnittstudie der Universität Erlangen-
Nürnberg zeigte sich, dass eine regelmäßig durchgeführte Kombination aus
kognitivem und psychomotorischem Training bei fitten Senioren die
selbstständige Lebensführung, das Gedächtnis und die Gesundheit
verbesserten. In einer nachfolgenden Studie konnte mit einem adaptierten
Interventionsprogramm für Menschen mit Demenz ebenfalls positive
Effekte erzielt werden. Auf der Grundlage dieser Studien wurde mit der
Diakonie Neuendettelsau das SimA©-Programm entwickelt. Es dient der
Unterstützung der Lebensgestaltung fitter Senioren, bietet aber auch wertvolle
Ansätze zur Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigungen im kognitiven
Bereich. Es ist durch seine wissenschaftliche Belegbarkeit einzigartig auf dem
Markt der Aktivierungsmöglichkeiten. Nach dem Besuch mehrerer Module und
einer abschließenden Prüfung konnten sich die Fachlehrer Stefanie Grimm und
Roland Stammel der Berufsfachschule für Altenpflege der EPE zum
SimA©-Trainer qualifizieren. Vor dem Hintergrund der kommenden Generalistik
der Pflegeberufe und auch dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ist ein
solches Konzept im Bereich der aktivierenden Angebote hoch bedeutsam.
Mit der erworbenen Trainer- und Schullizenz bietet die Berufsfachschule für
Altenpflege ihren SchülerInnen damit die Möglichkeit, wissenschaftlich
fundiertes Wissen in die Praxis und Kompetenzen im Bereich Unterstützung der
Lebensgestaltung begründet und strukturiert umzusetzen.

Bild (von rechts nach links):

Martina Schmalbach (Abteilungsleitung Altenpflege)
Stefanie Grimm (Fachlehrerin)
Roland Stammel (Fachlehrer)
Anke Mund (Schulleiterin)

Sterbende begleiten will gelernt sein

Bad Mergentheim/Kloster Schöntal. „Es geht nicht darum, dem
Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Unter
diesem Motto standen für fünfzehn Schüler der Berufsfachschule für
Altenpflege der EPE Bad Mergentheim multidisziplinäre Studientage
im Bildungshaus des Kloster Schöntals. Zwei Tage lang setzten sich
die Auszubildenden der Altenpflege mit dem Thema „Sterbende
begleiten“ intensiv auseinander.

Die Debatten um aktive Sterbehilfe im Bundestag und die
Auseinandersetzung des Ethikrates um die Definition des Todes im
Bereich der Organspende machen deutlich, dass das Lebensende
und dessen Gestaltung immer mehr zu einem gesellschaftsrelevanten
Thema wird. Für das Berufsfeld der Altenpflege sind eine Ausein-
andersetzung mit dem Thema „Tod“ und ein umfassendes Wissen
zur Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen höchst bedeut-
sam, sterben doch viele ältere Menschen in Alten- und Pflege-
heimen. Schon jahrzehntelang finden zu diesem Zweck Studientage
im Kloster Schöntal statt. So wurde auch dieses Jahr dank der Berufs-
fachschule für Altenpflege und der Arbeitgeber den fünfzehn ange-
henden Altenpflegern/innen im zweiten Schuljahr die Möglichkeit
geboten, jenseits der Klassenräume Wissen, Fähigkeiten und
Fertigkeiten in diesem anspruchsvollen Themenbereich zu erlangen.
Das Bildungshaus des Kloster Schöntals bot die perfekte Atmosphäre,
um sich mit den soziologischen, psychologischen, biologisch-
medizinischen und pflegerischen Aspekten rund um den Tod aus-
einanderzusetzen. Auch die Betreuung von Menschen am Lebensende,
Copingstrategien in der Palliativpflege und Hospizarbeit sowie Trauer
und Trauerbewältigung wurden von den Lehrkräften der Berufs-
fachschule thematisiert. Nach zwei anstrengenden, intensiven
Studientagen traten die Schüler mit vielen neuen Eindrücken die
Heimreise nach Bad Mergentheim an, um nun gut vorbereitet der
wohl schwierigsten Aufgabe ihrer beruflichen Tätigkeit entgegenzu
treten. Denn eines wurde den Auszubildenden sehr deutlich:
Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3BFA2 mit Abteilungsleiterin
StD Martina Schmalbach (Mitte)